Christoph Hoeren, Senior Risk Manager, Credit Review Corporates/Funds, Kreditanalyse und -entscheidung bei Unternehmensfinanzierungen, DEG – Deutsche Investitions- und Entwick-lungsgesellschaft mbH, Köln

Definitionen für Entwicklungsfinanzierer

 Bevor auf die Besonderheiten eines Entwicklungsfinanzierers eingegangen wird, erfolgt zunächst eine Erklärung, was unter „Entwicklungsfinanzierer“ zu verstehen ist. Eine einheitliche Definition gibt es nicht; allerdings definiert die UN (2006) „Entwicklungsfinanzierer“ als Finanzierungsinstitut, das zur Stärkung der ökonomischen Entwicklung gegründet wurde und hierbei Ziele der sozialen Entwicklung und regionalen Integration in den Vordergrund stellt. Dies erfolgt dann durch langfristige Finanzierungen bzw. Beteiligung an Projektfinanzierungen mit positiven Beiträgen zu den vorgenannten Zielen. Die Weltbank (2012) schlägt zur Abgrenzung vor, dass ein Entwicklungsfinanzierer mindestens zu 30 % in Staatsbesitz ist und zudem ein explizites Mandat zur Erreichung sozial-ökonomischer Ziele in einer Region, Branche oder einem speziellen Marktsegment hat.

In der Literatur finden sich ebenfalls diverse Erklärungen, die alle auf die besonderen Ziele und die Wirksamkeit des Geschäftes unter Nachhaltigkeits- bzw. Entwicklungsgesichtspunkten sowie die Abgrenzung zum kommerziellen Bankgeschäft abstellen. Ferner wird die Funktion als Spezialinstitut für die Finanzierung von langfristigen Investitionsvorhaben mit entwicklungspolitischer Bedeutung (z. B. industrielle Großprojekte, Infrastrukturmaßnahmen) bzw. nationalen wirtschaftspolitischen Maßnahmen in Entwicklungsländern definiert. Für Entwicklungsländer sind Entwicklungsfinanzierer von besonderer Bedeutung, da ihre Kapitalmärkte weniger leistungsfähig sind und die Kapitalbildung wegen geringer lokaler Ersparnismobilisierung häufig unzureichend ist (Ersparnislücke). Neben Finanzierungsleistungen erbringen Entwicklungsfinanzierer auch Beratungsdienstleistungen bei der Begleitung von Investitionsvorhaben[1].

 

Struktur der Entwicklungsfinanzierer im globalen Kontext

Die Entwicklungsbanken bzw. -finanzierer lassen sich in international und national tätige Institute kategorisieren. Bei den multilateralen Entwicklungsfinanzierern sind die Weltbank-Gruppe und deren miteinander verbundene Organisationen hervorzuheben: International Bank for Reconstruction and Development (IBRD), International Finance Corporation (IFC), International Development Association (IDA), International Centre for Settlement of Investment Disputes (ICSID) und Multilateral Investment Guarantee Agency (MIGA). In den Industrieländern wie z. B. in Deutschland gibt es Förderbanken, wie die KfW Bankengruppe, die auch für die finanzielle Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern zuständig ist. Ein Tochterunternehmen der KfW ist die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH mit Sitz in Köln, einer der größten Entwicklungsfinanzierer für den Privatsektor.

In Europa haben sich 15 bilaterale Entwicklungsfinanzierer zum Verbund der „European Development Finance Institutions“ (EDFI) zusammengeschlossen, der sich insbesondere dafür engagiert, die Zusammenarbeit in Europa zu vertiefen und dazu auch Standardisierung und Harmonisierung weiter auszubauen.

 

Abbildung 1: Im Verbund aktiv: European Development Finance Instutions (EDFI)
*) Stand: 31.12.2016

 

Alle EDFI-Mitglieder zusammen repräsentieren ein Investmentportfolio von rd. € 41 Mrd. (Ende 2018), das sich gegenüber 2005 mehr als verdreifacht hat.

Aber auch national wurden in vielen Entwicklungsländern eigene Entwicklungsinstitute etabliert, deren Tätigkeit sich auf die gesamte Wirtschaft des Landes oder bestimmte Branchen erstreckt (z. B. zur Förderung des Exports, des Mittelstands oder der Landwirtschaft).

Die Entwicklungsfinanzierer sind abzugrenzen von den „Förderinstituten“ auf europäischer Ebene (z. B. Europäische Investitionsbank) oder nationaler Ebene wie in Deutschland mit Förderinstituten auf jeweiliger Bundeslandebene (z. B. NRW.BANK für Nordrhein-Westfalen). Letzt genannte haben satzungsgemäß den staatlichen Förderauftrag, das jeweilige Bundesland und seine kommunalen Körperschaften bei der Erfüllung ihrer öffentlichen Aufgaben zu unterstützen. Dieser regionale Bezug und Förderauftrag unterscheidet sie von den Entwicklungsfinanzierer mit Fokus auf internationale Entwicklungsvorhaben; gleichwohl ergeben sich auch zwischen Förderinstituten und Entwicklungsfinanzierern interessante Kooperationsmöglichkeiten, bei der die jeweiligen Kompetenzen gegenseitig genutzt werden können.

 

Geschäftsmodell eines Entwicklungsfinanzierers am Beispiel der DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH

Die DEG – Deutsche Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH fördert im Rahmen der unternehmerischen Entwicklungszusammenarbeit die Privatwirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern und stellt eine Säule der internationalen Finanzierung der KfW Bankengruppe dar. Gemeinsam mit dem Geschäftsbereich KfW Entwicklungsbank und der KfW IPEX-Bank GmbH gestaltet sie das KfW-Angebot für internationale Finanzierungen. Hierbei arbeitet die DEG als Förderinstitut mit entwicklungspolitischem Auftrag subsidiär, d. h. sie engagiert sich dort, wo langfristige Investitionsfinanzierungen für Unternehmen nicht oder nicht ausreichend verfügbar sind.

Um diesen Förderauftrag wirksam umsetzen zu können, sind fundierte Kenntnisse der wirtschaftlichen und politischen Bedingungen in den Partnerländern, Kundennähe und Vor-Ort-Präsenz erforderlich. Dazu ist die DEG in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa an 21 Standorten aktiv. Sie nutzt darüber hinaus auch die rd. 80 Auslandsbüros der KfW Bankengruppe mit.

Um die Lebensbedingungen der Menschen in den Entwicklungsländern zu verbessern und Perspektiven zu schaffen, sind qualifizierte Arbeit und Einkommen wesentliche Voraussetzungen. Daher finanziert die DEG betriebswirtschaftlich und entwicklungspolitisch nachhaltige, sozial- und umweltverträgliche Investitionsvorhaben privater Unternehmen mit Darlehen, Garantien, mit beteiligungsähnlichen Darlehen und Beteiligungen. Mit ihrem Angebot richtet sie sich insbesondere an den Mittelstand sowie an kleine und mittlere Unternehmen.

 

Abbildung 2: Die Lösungen der DEG für Investitionen in Entwicklungs- und Schwellenländern

 

Ziel der DEG ist es, durch verlässliche, langfristige Finanzierung und Beratung zum dauerhaften Erfolg ihrer Kunden beizutragen. Denn nur dauerhaft erfolgreiche Unternehmen generieren nachhaltige entwicklungspolitische Wirkungen.

Bei allen ihren Investitionen achtet die DEG darauf, dass die von ihr finanzierten Unternehmen internationale Umwelt- und Sozialstandards wie die IFC Performance-Standards und die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) einhalten.

Mit der Vereinbarung von Umwelt- und Sozial-Aktionsplänen werden die Bedingungen in den mitfinanzierten Unternehmen weiter verbessert. Über die gesamte Laufzeit ihres Engagements begleitet die DEG die Unternehmen eng und hält die Umsetzung der Aktionspläne nach. Für auftretende Fragen werden gemeinsam mit den Unternehmen Lösungen erarbeitet.

Das aktuelle Portfolio der DEG beläuft sich auf rd. 8,4 Mrd. €. Rund 40 % davon sind Risikokapitalfinanzierungen.

 

Abildung.3: DEG: Portfolio und Standorte

 

Die Kunden der DEG kommen aus verschiedenen Branchen: der Agrarwirtschaft, der verarbeitenden Industrie, dem Infrastruktur-, Dienstleistungs- und dem Finanzsektor. Sie stammen aus Entwicklungs- und Schwellenländern, aus Deutschland und aus anderen Industrieländern.

Neben lokalen Unternehmen aus den Partnerländern finanziert und berät die DEG auch deutsche Unternehmen bei ihren Investitionen in Entwicklungsländern. Denn deutsche Unternehmen leisten dort mit ihrem Engagement wichtige Beiträge zur Entwicklung. Zudem sichern sie in diesen Ländern ihre Marktanteile oder erschließen neue Märkte in Wachstumsregionen.

Um die spezifischen Bedürfnisse ihrer Kunden zu bedienen, bietet die DEG im Rahmen ihrer „Business Support Services“ (BSS) zusätzliche Begleitmaßnahmen an. Damit können Unternehmen, zumeist unter Einbindung externer Expertise, darin unterstützt werden, ihre Performance und die Entwicklungswirkungen ihrer Vorhaben weiter zu steigern. Mit Förderprogrammen kofinanziert die DEG außerdem Maßnahmen privater Unternehmen wie etwa Machbarkeitsstudien oder Pilotvorhaben. Dabei ergänzt die DEG mit eigenen oder öffentlichen Mitteln das finanzielle Engagement der Unternehmen.

Eine DEG-Initiative sind die „German Desks – Financial Support and Solutions“. Gemeinsam mit lokalen Partnerbanken und Außenhandelskammern unterstützen die „German Desks“ Unternehmen bei ihrem Markteintritt in Entwicklungs- und Schwellenländern mit passenden Finanzierungslösungen. Das Leistungsspektrum reicht von der Kontoeinrichtung über Dienstleistungen für Handelsfinanzierungen und Transaction Banking bis zu Kreditlinien oder Investitionsfinanzierungen für lokale Handelspartner, die etwa deutsche Anlagen erwerben wollen. German Desks gibt es bisher in Lagos/Nigeria, Nairobi/Kenia, Accra/Ghana, Jakarta/Indonesien, Lima/Peru sowie in Dhaka/Bangladesch.

Mit AfricaConnect bietet die DEG deutschen Unternehmen ein neues Finanzierungsangebot. Investitionen in reformorientieren afrikanischen Ländern werden durch dieses neue Programm gezielt gefördert und erleichtert. Die Darlehenssumme kann zwischen 750.000 € und vier Mio. € betragen bei Laufzeiten von drei bis sieben Jahren. Eine besondere Form der Risikoteilung sowie die Erfahrung und das Netzwerk der DEG erleichtern Unternehmern damit künftig die Entscheidung für den afrikanischen Kontinent.

 

[1] Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon, Stichwort: Entwicklungsbanken, online im Internet: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/3658/entwicklungsbanken-v11.html

Praxistipps
  • Entwicklungsfinanzierer sind komplementär zu Geschäftsbanken. Es ergeben sich vielfältige Kooperationsmöglichkeiten, bei denen das Know-how, das Netzwerk und die Erfahrung der Entwicklungsfinanzierer bei Engagements in Entwicklungs- und Schwellenländern genutzt werden können.
  • Bei Investitionen deutscher Unternehmen in Entwicklungs- und Schwellenländern, deren Finanzierung für Geschäftsbanken ggf. nur eingeschränkt in Frage kommt, kann den Kundenbedürfnissen durch eine frühzeitige Einbindung von Entwicklungsfinanzierern begegnet werden.
  • Mit dem Angebot „German Desks – Financial Support and Solutions“ sowie dem neuen Programm „AfricaConnect“ bietet die DEG Lösungen, die gezielt am Bedarf mittelständischer (deutscher) Unternehmen ansetzen.