Prof. Dipl.-Ing. Thomas Kempen, Geschäftsführender Gesellschafter, Kempen Krause Ingenieure GmbH

Die Zahl der Menschen, die durch einen Brand ums Leben gekommen sind, stagniert in den letzten Jahren in Deutschland nahezu; 2015 waren es noch insgesamt 343, im Jahr zuvor 372 Personen (Statista Stand: 2018). 90 % davon sind jedoch nicht dem Feuer, sondern den bei einem Brand entstehenden toxischen Rauchgasen zum Opfer gefallen (FeuerTrutz – Statistik der Brandtoten in Deutschland 2015). Bei der Verbrennung von 10 kg Papier entstehen pro Stunde ca. 10.000 m³ Rauchgase (Fachplanung Entrauchung – Prof. H.-J. Gerhardt †). Dieses Rauchgasvolumen entspräche dem Rauminhalt einer großen Halle, deren Grundfläche 2.000 m² und deren Innenraumhöhe 5 m betragen würde.

 

Anforderungen nach der MBauO (Muster-Bauordnung)

In § 14 der Muster-Bauordnung wird gefordert, dass jede bauliche Anlage so zu errichten ist, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch vorgebeugt wird sowie die Rettung von Menschen und Tieren und wirksamen Löscharbeiten ermöglicht werden. Die Rauchableitung dient hierbei nicht nur der Erhaltung der Rettungswege, die insbesondere für eine Fremdrettung notwendig sind, sie ist auch Basis für einen schnellen Löschangriff der Feuerwehr. Sie dient also insgesamt der Feuerwehr für eine wirkungsvolle Arbeit. Darüber hinaus dient eine Rauchableitung auch dem Sachwertschutz, da der Schaden durch Rauchgase meist um ein vielfaches höher liegt, als der Schaden, der durch den Brand selbst oder das Löschwasser verursacht wird.

 

Arten und Wirkprinzip der Rauchableitung

Prinzipiell gibt es zwei verschiedene Arten der Rauchableitung. Zum einen gibt es die maschinelle Rauchableitung (MRA), die mit Hilfe von Ventilatoren eine Druckdifferenz (Überdruck oder Unterdruck) im Gebäude erzeugt und somit zu einer Ableitung des Rauches führt. Zum anderen besteht die Möglichkeit einer natürlichen Rauchableitung (NRA), die sich der thermischen Effekte der Strömungsmechanik bedient und eine Rauchableitung (ins Freie) bewirkt. Beide Methoden benötigen Zu- oder Nachströmöffnungen im Gebäude, damit die Rauchgase effektiv abziehen können. Diese Zu- oder Nachströmöffnungen sind im unteren Raumabschnitt anzuordnen, da der Rauch wärmer als die Umgebungsluft ist und während er nach oben steigt, über diese Öffnungen von unten rauchfreie Außenluft nachzieht. Dabei ist auf eine möglichst geringe (Zu)Strömungsgeschwindigkeit zu achten (< 3,0 m/s, VDMA Grundlagenpapier Entrauchung), um eine effektive Rauchableitung gewährleisten zu können. Eine zu hohe Zuströmgeschwindigkeit könnte den Brand weiter anfachen oder die sich während des Brandereignisses im Idealfall bildende stabile Rauchschicht unterhalb der Decke bzw. des Daches zerstören. Für den betrieblichen Brandschutz ist es daher unerlässlich, dass diese Nachströmöffnungen nicht durch Gegenstände verstellt und regelmäßig auf Funktionsfähigkeit überprüft werden. Nur so kann eine Rauchableitung im Ernstfall ohne Störung funktionieren.

 

Kosten

Die Kosten für eine Anlage zur Rauchableitung variieren stark, je nachdem welche Art von Rauchableitung für ein Gebäude geplant ist. Generell sind solche Anlagen immer mit dem Fachplaner für die technische Gebäudeausstattung (TGA) auf das jeweilige Gebäude und dessen Besonderheiten abzustimmen, da nur so eine optimale Wirksamkeit einer Anlage gegeben ist. Prinzipiell ist eine Rauchableitung, die sich einer natürlichen thermischen Wirkungsweise bedient, günstiger, als eine maschinelle Rauchableitung, da im ersten Fall auf komplexe Lüftungskanäle und Ventilatoren verzichtet werden kann.

Anhand der anfangs erwähnten Beispielhalle (Fläche: 2.000 m², Höhe: 5 m) können sich die Kosten für Lichtkuppeln oder Lichtbänder, die zur natürlichen Rauchableitung genutzt werden, in einem Preisrahmen von ca. 3,50–4,00 €/m² bewegen. Bei einer maschinellen Rauchableitung würde man sich in einem Preisrahmen von ca. 6,00–8,00 €/m² bewegen (beides nur reine Gerätepreise ohne Montage und Zubehör nach Herstellerliste bezogen auf den m² der Beispielhalle).

 

Fazit

Die Erfüllung der bauordnungsrechtlichen Forderung nach einer wirkungsvollen Rauchableitung sollte nicht der einzige Grund sein, sich mit dem Thema Rauchableitung auseinanderzusetzen. Auch aus der Sicht eines betrieblichen Risikomanagements stellt das Thema Rauchableitung eine sorgfältig abzuwägende Komponente des Sachwertschutzes und zur Vermeidung von Produktionsausfällen dar.

Eine Kontamination von Gebäuden und Einrichtung mit Rauchgasen kann durch eine Rauchableitung reduziert werden. Die Reinigung von mit Rauchgasen kontaminierten Einrichtungen (auch technische Anlagen wie Klima-/Lüftungsanlagen etc.) ist stets mit hohen Kosten verbunden. Häufig müssen mit Rauchgas kontaminierte technische Anlagen sogar komplett ausgetauscht werden.

Praxistipps
  • Überprüfen Sie, ob Sie über Anlagen zur Rauchableitung verfügen (müssen). In Industriebauten sind Anlagen zur Rauchableitung ab einer Raumgröße von 200 m² Grundfläche vorgeschrieben.
  • Lassen Sie regelmäßig Ihre Anlagen warten! Eine Instandsetzung ist deutlich teurer als die regelmäßige Wartung.
  • Erhöhen Sie die Akzeptanz für das Thema Brandschutz bei Ihren Mitarbeitern. Der finanzielle Schaden eines Brandereignisses misst sich nicht nur nach der eigentlichen Schadenssumme des Brandes, sondern auch über mögliche Produktionsausfälle und den daraus resultierenden (evtl. dauerhaften) Verlust von Kunden.